Meldungen des Jahres 2026

Meldung vom 10. April 2026

Historisches Spielzeug im Stadtmuseum Saalfeld

So mancher Besucher wird sich bei dieser Ausstellung an die Empfindungen erinnern, als er sein Lieblingsspielzeug an Weihnachten oder zum Geburtstag in den Händen hielt. Oder an das Vergnügen, damit zu spielen. Die am 28. März eröffnete Ausstellung „Am Anfang war die Eisenbahn" stellt Spielzeug aus der Privatsammlung Robin Wagner aus und ist noch bis Ende Mai im Stadtmuseum Saalfeld zu sehen. Gezeigt werden neben historischem Spielzeug unter anderem Blecheisenbahnen und Puppen aus dem Zeitraum 1880 bis 1980. Sie entstammen der umfangreichen Sammlung des Historikers Robin Wagner.

Die gezeigten Spielzeuge lassen aber nicht nur persönliche Erinnerungen wach werden, denn die Ausstellung zeichnet die Geschichte einer seit Jahrzehnten andauernden Leidenschaft nach. Das Eisenbahnmodell, mit dem diese Sammelleidenschaft begann, fesselt am Eingang zur Ausstellung die Aufmerksamkeit. Es folgen Puppenhäuser und Kaufmannsläden sowie ein Kalender mit Abbildungen von Puppenhäusern. Die Besucher dürfen an der Begeisterung des Sammlers teilhaben, als dieser eines der darin abgebildeten Stücke auf einer Auktion entdeckte. Zu bestaunen sind auch Karussell-Modelle, historische Verkehrsspiele, Spielzeugautos und zahlreiche weitere Schätze. So manches Stück wurde vor der Entsorgung bewahrt. Andere Spielzeuge wurden auf Dachböden entdeckt und vor dem Vergessen gerettet. Einige Gegenstände (teilweise in Originalverpackung) kommen aus dem Familienerbe. 

Plakat der Saalfelder Sonderausstellung. Foto: Günter Lipfert

 

Die Saalfelder Spielzeugschau vermittelt nebenbei auch Alltageschichte. Denn Spielzeuge, so eine zentrale These der Ausstellung, sind immer auch ein Spiegel der Alltagskultur. Das zeigen filigrane Maggi-Fläschchen und Waagen im Kaufmannsladen ebenso wie das Messemodell einer Waschmaschine aus dem Jahr 1910. Spannend sind hier insbesondere die Produktionsdetails der Objekte. So erhielten die Schränkchen eines Kaufmannsladens von 1890 eine individuelle Bemalung.

 

Kaufmannsladen mit Bemalung. Foto: Günter Lipfert

 

Zudem belegen einige Exponate, dass Spielzeuge zuweilen auch die zeitgenössischen politischen Umstände widerspiegeln. Ein mit einer Schnur bewegbares Ringerpaar aus dem Jahr 1897 bezieht sich auf den Konflikt zwischen dem Osmanischen Reich und Griechenland um die Insel Kreta. Der Alltagsrassismus im späten 19. Jahrhundert fand in der „Jolly Nigger Bank“, einer mechanischen Spardose aus dem US-amerikanischen Connecticut, seinen Ausdruck. Wie tief verwurzelt rassistische Denkweisen nicht nur in den USA, sondern in Europa bis in die Gegenwart sind, lässt sich mithilfe von Ausstellungsgegenständen eindrücklich nachvollziehen. Spielzeuge transportieren nicht selten die Ziele eines politischen Systems oder von politischen Ideologien. Ein Beispiel hierfür ist ein martialisches "Wehr-Schach" aus dem Jahr 1939.

 

"Wehr-Schach" aus dem Jahr 1939. Foto: Günter Lipfert

 

Die Präsentation richtet sich an ein breites Publikum, wobei die Objekte die größte Stärke der Ausstellung sind. Die Ausstellungstafeln berichten anschaulich über persönliche Anekdoten des Sammlers Robin Wagner und vermitteln seine lebenslange Begeisterung. Die Exponate werden kulturhistorisch eingeordnet, was die Ausstellung auch wissenschaftlich aufwertet. Die seitlich angebrachten Texttafeln erläutern schlaglichtartig Aspekte der Kultur- und Industriegeschichte, zeitgeschichtliche Hintergründe und zeitgenössische Anspielungen. Auch für auswärtige Besucher lohnt sich daher die Reise nach Saalfeld und ein Besuch der Ausstellung „Am Anfang war die Eisenbahn" im Stadtmuseum.

 

Günter Lipfert

Saalfeld

 
 
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