Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 12. April 2017

Neue Ausgabe der „Gerbergasse 18“ mit dem Schwerpunkt „Umwelt“ erschienen

Was verrät der Umgang mit der Umwelt über eine Gesellschaft? Mit der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Gerbergasse 18“ wird diese Frage auf vielfältige Weise in den Mittelpunkt gerückt. Dabei verbinden sich ganz unterschiedliche Ausgangspunkte und Perspektiven miteinander: Von der Herausbildung kleinerer Umweltgruppen im kirchlichen Raum bis zur Entstehung einer unabhängigen Umweltbewegung in der späten DDR, als Verschmutzung, Vergiftung und Vertuschung von massiver Umweltzerstörung zum Alltag gehörte; von der Gründung einer „Sektion DDR“ innerhalb der damals jungen Partei „Die Grünen“ bis zur Genese einer Umwelt-Bibliothek in Ost-Berlin Mitte der 1980er Jahre. Dass die Diskussion zum Verhältnis zwischen Natur- und Geschichtserbe am Grünen Band – dem renaturierten Geländestreifen und Erinnerungsraum der deutsch-deutschen Teilung – zukunftsweisend ist, wird mit zwei prägnanten Standpunkten dokumentiert.

In den Rubriken Zeitgeschichte und Zeitgeschehen/Diskussion geht es um die Überwachung von ausländischen Militärs bei der NVA, den privaten Brief als historische Quelle und um eine Tagung zu Ehren des Schriftstellers Jürgen Fuchs. Über die Folgen von politisierter Medizin durch Zwangseinweisungen in geschlossene Venerologische Stationen informiert ein Beitrag von Florian Steger und Maximilian Schochow. Bis heute leiden betroffene Frauen an Traumatisierungen, die durch eine transgenerationale Weitergabe und erlittene Spätfolgen geprägt sind.

 

Die neue Ausgabe 1/2017 der „Gerbergasse 18“ (Heft 82) ist ab sofort im (Jenaer) Buchhandel und bei der Geschichtswerkstatt Jena (Bestellungen gerne über unser Kontaktformular) zum Preis von 3,50 € erhältlich.

Meldung vom 07. April 2017

Die globalen Verflechtungen im Zweiten Weltkrieg – Ein Kurzbericht zum Vortrag von Prof. Dan Diner am 5. April 2017 in Jena

In jedem Semester organisiert das Jena Center Geschichte des 20. Jahrhunderts des Historischen Instituts der Friedrich-Schiller-Universität Jena zahlreiche Veranstaltungen mit auswärtigen Referenten. Die Veranstaltungsreihe des Sommersemesters begann am 5. April  in den Rosensälen mit dem Vortrag „Paradoxe Verschränkungen. Erkundungen zu einer Globalgeschichte des Zweiten Weltkriegs“ von Prof. Dr. Dan Diner, der momentan eine Gastprofessur an der Jenaer Universität bekleidet.

Die Veranstaltung begann mit einer Einführungsrede von Prof. Dr. Norbert Frei, in der er über den bisherigen Werdegang sowie herausragende Publikationen des Gastes berichtete. Dan Diner wurde 1946 in München geboren und wuchs in Frankfurt am Main auf, wo er Rechts- und Sozialwissenschaften studierte und sich auch politisch in der jüdischen Gemeinde engagierte. 1973 promovierte er zum Kriegsrecht und habilitierte im Jahr 1980. Er lehrte im dänischen Odense sowie an den Universitäten in Essen, Tel Aviv und Leipzig. Er ist emeritierter Professor der Hebräischen Universität Jerusalem. Zudem war Dan Diner in Tel Aviv von 1994 bis 1999 Direktor des „Minerva-Instituts für Deutsche Geschichte“ und leitete von 1999 bis 2014 das „Simon-Dubnow-Institut für jüdische Geschichte und Kultur“ in Leipzig.

Er beschäftigt sich mit der europäischen, nahöstlichen und jüdischen Geschichte des 20. Jahrhunderts und prägte zur Geschichte des Holocausts den Begriff „Zivilisationsbruch“. Seit 2014 forscht er zu einer Globalgeschichte des Zweiten Weltkrieges im Rahmen des Forschungsprojektes „Judging Histories – Experience, Judgement and Representation of World War II“. Über sein aktuelles Forschungsprojekt gab er in seinem Vortrag in Jena einen Überblick.

Dan Diner begann seine Ausführungen mit dem gegenüber den deutschen Truppen zeitverzögerten sowjetischen Einmarsch in Polen seit dem 17. September 1939. Eine Ursache für die Verzögerung war der japanisch-sowjetische Grenzkrieg, der bis zum 16. September andauerte. Als Folge des Krieges wurde im April 1941 zwischen den beiden Staaten ein Neutralitätspakt unterzeichnet, der bis zum 8. August 1945 hielt und bis dahin von beiden Seiten „peinlich genau“ geachtet wurde. Der Vertrag war „signifikant“ für den Verlauf des Zweiten Weltkrieges, da er die Sowjetunion vor einem Zweifrontenkrieg verschonte.   

Danach unterteilte Diner seinen Vortrag in drei Schritte: die geopolitische Aufspaltung der europäischen und pazifischen Kriegsschauplätze, die kolonialen Aspekte in Bezug auf Frankreich sowie die imperialen Aspekte bezüglich des Britischen Weltreiches. Im ersten Schritt wurde über die materielle Unterstützung der Sowjetunion durch US-amerikanische Hilfskonvois gesprochen. Die Hilfslieferungen konnten auf drei Wegen in die Sowjetunion gelangen, wobei die nordatlantische Wegstrecke wegen der deutschen Luftangriffe „katastrophal endete“. Die beiden anderen Routen waren der persische Korridor, der bisher kaum in der Forschung beachtet wurde, und der nordpazifische Weg, welcher der Bedeutendste war. Im zweiten Teil berichtet Diner unter anderem über das „Geheimnis“ des Waffenstillstandes von 1940, womit der Hintergrund für die relativ schnelle Bereitschaft Frankreichs umschrieben war, einen Waffenstillstand zu akzeptieren. Dabei ist vor allem der Artikel des Vertrages maßgeblich, der Frankreich die Erhaltung seiner Kolonien und Teile seiner Flotte zu eigenen Verteidigung garantierte.  

Im letzten Teil seines Vortrages ging Diner auf die antikolonialen Bewegungen, wie beispielsweise die in Indien oder Palästina, und die Zuwendung einiger dieser Gruppen zu den Achsenmächten ein. Mit Formen der Kollaboration wollten einige Unabhängigkeitsbewegungen Verbündete für ihren Unabhängigkeitskampf gegen das Vereinigte Königreich gewinnen.

Der spannende Vortragsabend endete schließlich mit einer lebhaften Fragerunde, in der angemerkt wurde, dass die amerikanische Militärhilfe an die Sowjetunion im Verlauf des Kalten Krieges erstaunlich rasch in Vergessenheit geriet. Zudem wurde erwähnt, dass es schon während des Krieges eine zeitgenössische Sicht auf den globalen Charakter dieses Konfliktes gab. So war bekannt, dass Hitler durch den Krieg in Europa weitere Gebiete und Ressourcen erobern wollte, um sich mit deren Hilfe auf einen zukünftigen Krieg gegen die USA vorzubereiten. Der erkenntnisreiche Abendvortrag thematisierte dadurch die bisher weniger bekannten Verflechtungen auf globaler Ebene, die unser Wissen über den Ver- und Ablauf des Zweiten Weltkrieg um wesentliche Fakten erweitern.

 

Christian Ebel

Bachelor-Student Geschichte/Politikwissenschaft

 
 
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