Aktuelle Meldungen und Veranstaltungen

Meldung vom 30. Mai 2018

1968 in der DDR – Interessierte Teilnehmer*innen für eine Zeitzeugenwerkstatt gesucht

Seit 2009 hat die Geschichtswerkstatt Jena mit der Projektreihe "Zeitzeugenwerkstatt" ein eigenes Format entwickelt und etabliert, um langfristig Zeitzeugenerinnerungen zu dokumentieren und in den Mittelpunkt zu stellen. In diesem Jahr möchten wir ein Projekt umsetzen, das sich mit dem Themenfeld "1968 in der DDR" beschäftigt. Bereits im Frühjahr thematisierte unsere Zeitschrift "Gerbergasse 18" den Schwerpunkt "1968".

Vor fünfzig Jahren verdichtet sich eine Vielzahl von Ereignissen und Einschnitten zu einem wegweisenden Epochenjahr: Vietnam-Krieg, politische Attentate, Jugendproteste in Ost und West, ein "Volksentscheid" über eine neue Verfassung in der DDR und nicht zuletzt der Prager Frühling in der Tschechoslowakei, der am 21. August durch sowjetische Panzer blutig niedergeschlagen wurde – weitere wichtige Daten aus der Chronik 1968  liessen sich hinzufügen.

Wie erinnern Sie 1968? Was und wo haben Sie gelernt, studiert oder gearbeitet, wie den Verlauf des Jahres erlebt und begleitet? Wir suchen gesprächsbereitete Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die uns Ihre Erinnerungen im Rahmen eines Zeitzeugeninterviews mitteilen möchten.

Kontaktaufnahme, Hinweise, Empfehlungen oder sonstige Rückmeldungen gerne per E-Mail an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Wahlweise auch postalisch oder per Telefon an unsere Geschäftsstelle oder über unser Kontaktformular.

Ansprechpartner: Daniel Börner

Unsere Zeitzeugenwerkstatt zum Thema "Alltag in der DDR" aus dem Jahr 2016 ist ab sofort auf unserem YouTube-Kanal online, natürlich auch die anderen Teile seit 2009.

 

Meldung vom 02. Mai 2018

Ein Manifest der Liebe und der Hoffnung: Der Film "Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten" wurde in Jena und Gera vorgestellt

Am 28. und 29. April zeigten die Kinos Schillerhof in Jena und Metropol in Gera den Dokumentarfilm "Die Partitur des Krieges – Leben zwischen den Fronten", der von einer musikalischen Lesung eingeleitet und einem intensiven Publikumsgespräch abgeschlossen wurde.

Ein Traum: Musiker aus Donezk und Kramatorsk in der Ostukraine gehen an die „Front“ und spielen jeweils eine Sinfonie von Mark Chaet. Die Gewehre müssten schweigen und die Soldaten weinen. Nach dem Konzert verbrüdern und weigern sie sich, weiter zu kämpfen, für wen auch immer. Liebe und gegenseitige Hilfe bestimmen den Wiederaufbau. Die Wirtschaft würde sich erholen und die Menschen könnten wieder von ihrer Hände Arbeit leben, Familien gründen, unbeschwert ihren Alltag genießen und in Frieden alt werden. Ende gut, alles gut?

Welche Politiker, welche Verantwortlichen wollten das verhindern?

Stellen wir uns also vor, es war Krieg und keiner hat bemerkt, dass er aufhörte.

Dem Film von Tom Franke, Armin Siebert und Mark Chaet ist zu wünschen, dass er sehr viele Zuschauer erreicht und bei ihnen mehr auslöst als „nur“ die distanzierte Betrachtung eines abstrakten Kriegszustandes in einem fernen Land.

Der Film überzeugt gerade deshalb, weil er nah am Menschen ist, nicht die Politik vorschiebt und sich im Kommentar völlig zurück hält. Die Menschen selbst sprechen für sich und über ihren Alltag im Zustand eines eingefrorenen Krieges. Viele der Gedanken der Protagonisten sind emotional kaum auszuhalten. Doch gerade daraus entsteht eine intensive und imaginäre Brücke zwischen den Protagonisten und den Zuschauern. Man möchte die Protagonisten am liebsten selbst umarmen, sie trösten und ihnen Hoffnung geben, einfach menschlich sein, wie die Protagonisten in diesem Film es selbst sind. Ihre Gedanken, die Bilder und die Gesichter zeigen, was mit Menschen geschieht, die sich im Kriegszustand befinden, wie Überleben zum gewöhnlichen Alltag wird, Krieg zur Normalität. Gewöhnen wir uns an alles? Können wir uns an all das gewöhnen, auch anderswo?

Warum ist Krieg? Warum zerstören wir uns gegenseitig? Wem nützt das? Wer ist an dem seit 2014 andauernden Kriegszustand in der Ostukraine schuld? Die Anderen sind an allem Schuld, so sagen es jedes Mal die politisch Verantwortlichen. Und was denken, was fühlen Menschen, die davon direkt betroffen sind?

Wer waren und wer sind jene, die die mörderische Gewalt auf sich nehmen, und wer sind jene, die Gewalt immer wieder stützten, egal wo auf dieser Welt? Viele Menschen haben offenbar wenig bis gar nichts aus der Geschichte gelernt – weil wir es nicht können oder nicht wollen? Es bleibt unbegreiflich, was Menschen anderen Menschen antun, uns immer wieder Zerstörung und Tod bringen. Diesem Wahnsinn stellt sich der dokumentarische Film „DIE PARTITUR DES KRIEGES – Leben zwischen den Fronten“ als universelles Zeugnis entgegen. Er ist ein Manifest der Liebe und der Hoffnung zugleich.

Dr. Henning Pietzsch

Fotos: Veranstaltung mit Mark Chaet und Tom Franke am 28. April 2018 in Jena, Fotograf: Henning Pietzsch

 
 
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