Meldungen des Jahres 2017

Meldung vom 30. Oktober 2017

Zwei Veranstaltungstermine im November: Jürgen Fuchs (7.11.) & Podiumsdiskussion (8.11.)

Gerne weisen wir auf zwei kommende Veranstaltungen Anfang November hin, bei denen die Geschichtswerksatt jeweils Mitveranstalter ist:

7. November, 18 Uhr  |  Kleiner Rosensaal (Fürstengraben 27, 07743 Jena): „Sagen, was ist!“ Der Schriftsteller Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik

Kooperationsveranstaltung mit dem Collegium Europaeum Jenense (CEJ)

Buchvorstellung und Lesung mit Dr. Ernest Kuczyński (Universität Łódź), Udo Scheer (Stadtroda), Prof. Dr. Werner Greiling (Historisches Institut, Friedrich-Schiller-Universität Jena) und Prof. Dr. Martin Hermann (Kurator CEJ). Eintritt frei.

„Sagen, was ist!“ – dank dieser klaren Strategie des Denkens und Schreibens konnte Jürgen Fuchs (1950–1999) stets Gleichgesinnte und Mitstreiter erreichen. Und da zur geistigen Welt des Künstlers ebenfalls die östliche Hemisphäre gehörte, so war er bereits in der Zeit des Westberliner Exils bestrebt, Freund- und Bekanntschaften mit Osteuropäern zu schließen, Kontakte zu vermitteln und sich dabei organisatorisch zu betätigen. Im Westen wurde er zu einem der entscheidenden Knotenpunkte eines Netzwerks, das sich um Unterstützung der immer stärker vernehmbaren demokratischen Opposition in den Ostblockländern mit Literatur, Logistik und Geld oder Organisation von Solidaritätskampagnen bei Repressionen und Verhaftungen kümmerte.

Dem Werk von Jürgen Fuchs hat man nicht nur in Polen literarischen Rang und Authentizität attestiert. Letzteres wurde dagegen in der Bundesrepublik mitunter bezweifelt oder in den Hintergrund gedrängt, besonders da das Augenmerk der Öffentlichkeit vorwiegend seinem politischen Engagement galt und gilt. Vom Dissidenten und Bürgerrechtler Fuchs kann man heutzutage sagen, dass er nach wie vor bekannt ist, aber selten wird, wie einst Herta Müller bemerkte, von der Qualität seiner Literatur gesprochen. Ein neuer Band, basierend auf einer Konferenz im November 2016 in Wrocław, versammelt zahlreiche Beiträge, die diesen Missstand beseitigen möchten.

Das Buch „Sagen, was ist!“ Jürgen Fuchs zwischen Interpretation, Forschung und Kritik hat das Ziel, die Aufmerksamkeit auf den Schriftsteller Jürgen Fuchs zu lenken, seine Literatur im akademisch-wissenschaftlichen Umfeld zu verbreiten sowie einen Beitrag zur Etablierung und Belebung der Jürgen-Fuchs-Forschung zu leisten.

 

8. November, 20 Uhr  |  Volksbad (Knebelstraße 10, 07743 Jena): Wie umgehen mit der Vergangenheit? Der 9. November als Herausforderung und Chance

Podiumsdiskussion am 8. November im Jenaer Volksband, Beginn: 20 Uhr, Eintritt frei.

Kooperationsveranstaltung mit dem Thüringer Archiv für Zeitgeschichte „Matthias Domaschk“ im Rahmen von "Tag und Nacht der Demokratie in Jena 2017"

Mit dem Datum des 9. November verbinden sich für Deutschland im 20. Jahrhundert mehrere historische Zäsuren. Neben dem Ende einer Monarchie und der Einführung einer Demokratie 1918 steht der Übergang von der staatlichen Diskriminierung zur systematischen Verfolgung der jüdischen Minderheit im Jahr 1938. Ebenfalls am 9. November fand 1989 der Höhepunkt einer friedlichen Revolution gegen die SED-Diktatur in der DDR statt, durch den Fall der Mauer endete die deutsch-deutsche Teilung.

Die Podiumsdiskussion fragt: Wie lässt sich ein angemessenes Gedenken an diese sehr unterschiedlich erinnerten Ereignisse miteinander verbinden? Am lokalen Beispiel wollen wir dieser Frage nachgehen. Vor dem Hintergrund, dass es einem rechtsextremen Bündnis gelang, am 9. November 2016 mit Fackeln durch das Jenaer Damenviertel zu ziehen, drängt sich die Notwendigkeit auf, über mögliche und adäquate Formen des Erinnerns und Gedenkens zu diskutieren. Zum Gespräch eingeladen sind Akteure aus den Bereichen Geschichtswissenschaft, Justiz, politische Bildung und Zivilgesellschaft.

Impulsvortrag: Dr. Rüdiger Stutz (Stadthistoriker Jena)

Podium: Christian Franke (Web Developer), Christoph Lammert (Berater gegen Rechtsextremismus), Thomas Ott (Rechtsanwalt), Dr. Jeannette van Laak (Historikerin)

Moderation: Henry Bernhard (Hörfunkjournalist), Dr. Franziska Schmidtke (Projektkoordinatorin in der Rechtsextremismusforschung)

 

 
 
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